…ist nicht nur ein Ende…

In vielen Kulturen dieser Erde haben sich zu allen Zeiten bestimmte Sterberituale entwickelt, die alle das Ziel haben, sich bereits zu Lebzeiten auf das Sterben und den Tod vorzubereiten. Bei uns ist dieses Thema häufig tabu, obwohl es doch etwas ist, das mit absoluter Sicherheit passieren wird – eigentlich das Einzige, dessen Eintreffen absolut sicher ist! Trotzdem verdrängen wir die Gedanken daran meist.

Ich habe vor einigen Jahren ein Buch des Palliativmediziners Gian Domenico Borasio gelesen und war nachhaltig davon beeindruckt und habe gleichzeitig in den zwischenzeitlich vergangen Jahren festgestellt, dass nur wenige Menschen von der Medizin am Lebensende wissen oder sich damit beschäftigen, wie der Sterbeprozess für sich selbst oder Angehörige bestmöglich gestaltet werden kann. Der Klappentext des Buches beschreibt dessen Inhalt folgendermaßen:

“Am Anfang des Buches steht ein ungewohnter Gedanke: Geburt und Tod haben viel gemeinsam, beides sind Ereignisse, für die die Natur bestimmte Programme vorgesehen hat. Sie laufen dann am besten ab, wenn sie möglichst wenig gestört werden. Palliativbetreuung und Sterbebegleitung, wie Borasio sie versteht, sind deshalb viel mehr als medizinische Symptomkontrolle. Vor allem leben sie von der Kommunikation, dem Gespräch zwischen allen Beteiligten, das die medizinische, psychosoziale und spirituelle Betreuung erst möglich macht. Sachlich informierend und argumentierend, setzt sich Borasio aber auch mit dem schwierigen Thema “Sterbehilfe” und mit dem Mythos und der Realität der Palliativ- und Hospizarbeit auseinander. Ungeschminkt benennt er zudem die schlimmsten Fehler am Lebensende (Anm. Anja Hübner: hier geht es u.a. um künstliche Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr während des Sterbeprozesses) und sagt, wie man sich am besten davor schützt – einschließlich konkreter Hinweise zu Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Aus der Sicht des Arztes, der sich auch für die Seelennöte der Menschen zuständig weiß, leistet diese Buch dringend notwendige Aufklärung über ein Lebensthema, da wir zu unserem eigenen Schaden mit zahlreichen Tabus belegen.” 

https://www.dtv.de/buch/gian-domenico-borasio-ueber-das-sterben-34807/

https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2018-03/gian-domenico-borasio-tod-sterben-therapie-palliativmedizin

Eine pragmatische Seite, die auch Borasio in seinem Buch aufgreift, sind Regelungen, die rechtzeitig getroffen werden sollten, damit ein “ungestörter” Prozess ablaufen kann: so ist es durchaus sinnvoll, sich bereits in gesunden und jüngeren Jahren mit den Themen Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung auseinanderzusetzen. Dabei ist ein Nebeneffekt, dass man sich innerhalb einer Patientenverfügung mit den eigenen Wünschen zum Sterbeprozess auseinandersetzen muss.

Ein kurzes, interessantes Kapitel widmet Borasio dem Thema Meditation und der Frage, weshalb diese für einige Menschen, die schwer oder gar unheilbar erkrankt sind, eine sehr große Hilfe sein kann. Eine mögliche Antwort liefert Philip Simmons in seinem Buch “Learning to fall”: “Wenn wir unsere Vergänglichkeit akzeptieren, wenn wir unsere Anhaftung an den Dingen, so wie sie sind, loslassen, dann öffnen wir uns zu Gnade. Wenn wir ruhig sein können im Bewusstsein unseres Sterbens,…., wenn wir die Nähe des Todes fühlen können und seine Berechtigung genau wie die der Geburt einsehen, dann werden wir übergesiedelt sein zu jenem entfernten Ufer, wo der Tod uns keine Angst mehr machen kann, wo wir das Maß des Ewigen, das für uns in diesem Leben bereitsteht, erfahren können.”