Und was bedeutet er – im Großen wie im Kleinen?

Hier in Westeuropa befinden wir uns nun schon seit über 70 Jahren im Frieden, in dem Sinne, dass keine kriegerische Auseinandersetzungen auf unserem Boden stattfand. Obwohl wir mit Blick in die Vergangenheit und auf die vielen aktuellen Kriege wissen, dass ein solch friedlicher Zustand nicht selbstverständlich ist, scheint er im Alltag genau das zu sein. Frieden viel mehr als das Fehlen von Krieg, doch erkennen wir dieses wertvolle Gut? Tun wir genug dafür, dass aus dem “kleinen” Frieden mit uns und unseren unmittelbaren Mitmenschen ein “größerer” Frieden werden kann?

Das Wort Frieden kommt von dem althochdeutschen Wort fridu, was so viel wie „Schonung“ oder „Freundschaft“ bedeutet. Und im allgemeinen ist damit ein Zustand der Stille, Ruhe und Harmonie gemeint. Oder doch zumindest die Abwesenheit von Störung, Beunruhigung und vor allem von Krieg. Doch so einfach ist die Sache eben nicht. Denn Frieden ist nicht einfach etwas, was da ist oder nicht. Frieden ist kein Zustand, es ist ein Vorgang, ein Fortlauf. Wir können Frieden nicht einmal erreichen und uns dann in diesem Zustand ausruhen. Frieden ist vielmehr abhängig von unserer inneren Haltung. Von unserem inneren Frieden mit uns selbst…Denn Frieden beginnt schon im ganz Kleinen…zwischen zwei Menschen.

Und in diesem Zusammenhang spielt das Zuhören eine ganz wesentliche Rolle, um zu verstehen, wie der oder die Andere all die Dinge, Situationen, Menschen und Erlebnisse um ihn oder sie herum bewertet, interpretiert und einordnet und dadurch ihn oder sie besser erkennen kann.  Ansonsten kommt es einem so vor, als ob die eigene Sichtweise die einzig richtige ist. Und es fällt einem unglaublich schwer zu erkennen, dass es andere Perspektiven, Beurteilungen und Beweggründe geben kann. Mit anderen Worten: Man kann sich nur schwer in andere hineinversetzen. Und in diesem Zusammenhang bedeutet das Zuhören nämlich, dass wir nicht nur die Worte verstehen, die jemand sagt. Das auch. Sondern, dass wir darüber hinaus auch mit dem Herzen verstehen, was jemand meint und ausdrücken möchte.

Unsere Konkurrenzgesellschaft jedoch steht dem Frieden mit uns selbst und mit anderen entgegen. Wenn ich ständig danach strebe, mich gegen Andere durchzusetzen, gefährde ich die Beziehung mit diesen Menschen. Doch die Glücksforschung hat ergeben, dass das, was uns zufrieden und froh macht, gelungene Beziehungen mit anderen Menschen sind, mit anderen Worten: Frieden mit ihnen…Frieden gibt es dann, wenn wir fest davon überzeugt sind, dass es in jeder Situation eine gemeinsame Lösung gibt – und zwar egal, ob es um zwischenmenschliche, interkulturelle oder zwischenstaatliche Konflikte geht. Notwendig dafür ist die allseitige Bereitschaft zur Selbstreflektion und zu eigenen Veränderungen.

Damit ist Frieden nicht einfach nur eine Abwesenheit von Störungen oder Beunruhigungen und vor allem Krieg. Es ist auch nicht nur Stille und Harmonie. Es ist auch richtiggehende Arbeit… Der Weg zu echtem Frieden ist damit auch eine lebenslange Lernreise(Quelle: https://www.fuereinebesserewelt.info/frieden-was-ist-das-eigentlich/)

Statistisch gesehen gibt es eine Veränderung der Kriegsführung: organisierte, staatliche Kriegsführung geht zurück, dafür steigt chaotische, asymmetrische Gewalt, so dass eine Bedrohung beinahe allgegenwärtig scheint.  “Die heutigen Bürgerkriege folgen allerdings einem anderen Muster…Nach dem Soziologen Gunnar Heinsohn sind sie mit dem Phänomen eines „youth bulges“ korreliert – einer Überzahl junger, zorniger, arbeitsloser Männer zwischen 14 und 30, die aus großen Familien mit fünf, sechs, sieben oder zehn Kindern pro Frau stammen. Und verzweifelt um Status und Anerkennung kämpfen… Dort existiert ein rissiges Potenzial an arbeitslosen, zornigen, “überflüssigen” Männern, die sich leicht in eine Kriegskultur einspannen lassen. Dies betrifft vor allem die nordafrikanische und arabische Region…Doch auch in diesen Ländern gehen die Geburtenraten seit zwei Jahrzehnten rapide zurück…– Tendenz weiter fallend. In einer Generation, so die These, werden in dieser Region ebenfalls die Kleinfamilien-Strukturen dominieren. Einen einzelnen Sohn lässt man nicht so ohne weiteres in einen Djihad ziehen. Individualisierung macht friedlich(er)…Es besteht also durchaus Hoffnung, dass die Welt WEITER friedlicher wird…Mit der zusammenwachsenden Welt, der “endgültigen Globalisierung”, rücken uns diese Konflikte immer näher. Weil alles mit allem zusammenhängt. Und weil Flüchtlinge in einer vernetzten Welt leichter über Grenzen kommen…Kriegerische Gewalt ist, wie alles Komplexe, multifaktoriell. Der Hormon-Forscher Paul J. Zak: „Man vermische all diese Phänomene: hohes Testosteron, autoritäre Gesellschaftsstruktur, Autoritätsgläubigkeit, Gruppen-Selektion, entmenschlichende Stereotypen…“ …Das, was Menschen immer wieder in den Krieg treibt, sind inzwischen vor allem psychologische Gründe. „War Is A Force That Gives Us Meaning“, lautet ein Buchtitel des Kriegs-Experten Chris Hedges. Krieg stiftet Sinn. Gemeinsamkeit. Identität…Gewalt entsteht, wo Individuen oder ganze Gruppen extreme Verluste von Selbstwirksamkeit erleiden…Je mehr sich Ökonomien verbinden, desto mehr Win-Win-Spiele sind möglich. Auch die Zahl der globalen Herausforderungen wächst, vom Global Warming bis zu weltweiten Seuchen… Wir haben auf unserem Planeten genug zu tun, was wir nur gemeinsam schaffen könnenAll das heißt nicht, dass jemals völliger Friede herrschen wird. Es begründet nur eine Drift, die sich im Abnehmen der Gewalt trotz allem ausdrückt. Wir werden Zeuge eines systemischen Prozesses, den man „positive network externalities”, Positive Netzwerk-Externalisierung, nennt. Frieden wird sozusagen zum evolutionären Vorzugs-Spiel, Krieg hat in diesem Spiel dauerhaft schlechtere Karten. Die Atombombe macht Krieg zudem zur abstrakten Vernichtung ohne jeden Triumph-Aspekt. Auf eine paradoxe Weise sieht es so aus, als würden sogar die kommenden Gewaltausbrüche den Frieden nur stabilisieren, der sich langsam, mit schrecklichen Rückschlägen, aber unaufhaltsam aus dem Zusammenwachsen der Welt herausevolutioniert. (Quelle: https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/warum-gibt-es-noch-immer-kriege/)

Niemand weiß, ob dieser positive Frieden jemals vollständig verwirklicht werden kann. Sicher ist, dass Frieden ein langer Prozess ist und dass sich jeder und jede an diesem Prozess beteiligen kann. In diesem Sinn ist auch der Satz von Mahatma Gandhi gemeint: “Es gibt keinen Weg zum Frieden – Frieden ist der Weg”.

Ein wirklich interessantes kurzes Video zu der Bedeutung, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und probeweise die Perspektive Anderer einzunehmen: Charles Eisenstein: “what is it like to be you?” https://charleseisenstein.org/video/what-is-it-like-to-be-you/