Angst ist, wie alle Gefühle, mächtig. Das mit den Gefühlen überhaupt ist so eine Sache. Sie sind eigentlich immer da, ungefragt und zu jeder Zeit. Manchmal nur eines, oft mehrere zugleich, wobei häufig eines die anderen auslöst oder begleitet. Sie können uns zu Höchstleistungen anspornen, zu unvorstellbaren Handlungen treiben oder uns lähmen.

Evolutionär ist die Angst ein hilfreicher Überlebensinstinkt, der unsere körperlichen und geistigen Funktionen in einen Kampf- oder Fluchtmodus versetzt oder im Gegenteil in einen Starre-Modus verfallen lässt. Kurzfristig sind diese Modi bei realer akuter Gefahr sinnvoll und unschädlich für uns. Langfristig können uns solche Stressfaktoren allerdings krank machen. Auf körperlicher Ebene können dauerhaft auf Hochtouren laufende Funktionen wie Blutdruck, Adrenalin- und Cortison-Ausschüttungen uns schaden ebenso wie auf geistiger Ebene, wenn die Gefühle unser Verhalten beherrschen. Auch eine dauerhafte Lähmung ist kontraproduktiv, denn sie  hindert uns am “leben”.

Angst in Krisen- oder bedrohlichen Situationen

Während der aktuellen Covid-19-Krise haben viele Menschen Angst aus unterschiedlichen Gründen oder sie fühlen alle Ängste zugleich: Angst vor einer Infektion, Angst vor einer daraus resultierenden Erkrankung, Angst vor schweren Verläufen einer Erkrankung, Angst vor dem Sterben/Tod; aber nun auch Angst vor den sukzessiven Lockerungen des Lockdown und einer dadurch möglicherweise steigenden Infektionsrate – ab hier beginnt der Kreislauf wieder von vorne; Angst davor, sich nun wieder der Realität stellen zu müssen; Angst, eine Komfortzone, in die man sich während der Kontaktbeschränkungen zurückgezogen hatte, verlassen zu müssen; Angst vor der veränderten “Normalität”; Angst vor nachhaltigen Freiheitsbeschränkungen, die Liste ließe sich lange fortsetzen.

Und leider können solch mächtige Angstgefühle auch dazu führen, dass wir uns manipulieren lassen, uns aus dem Gleichgewicht werfen lassen, unsere Zuversicht und unser Vertrauen verlieren, unseren gesunden Menschenverstand ausschalten und dann blindlings Dinge tun oder unterlassen, wodurch wir uns oder anderen schaden können.

Was also kann man tun?

Sollte man ein Muster bei sich erkennen, das heißt, Angst oder andere Gefühle werfen den Menschen regelmäßig und nachhaltig aus der Bahn, dann könnte eine Psychoanalyse Abhilfe schaffen. Dabei kann das Ich geschult werden, um diese Muster zu erkennen und in den richtigen Momenten den Verstand einzuschalten und die Gefühle in angemessene Bahnen zu lenken, so dass ein erfülltes Leben möglich ist. Hier kommt das Bild von Pferd und Reiter/-in ins Spiel: die Gefühle kann man sich dabei als das ungestüme Pferd vorstellen, das Ich wird durch den Reiter/die Reiterin repräsentiert, der/die das Pferd kontrolliert, indem die richtige Reit-Technik eingesetzt wird, was für den Einsatz des Verstandes steht. Das bedeutet, der Reiter/die Reiterin hat die Kontrolle. In der Regel ist eine Psychoanalyse eine langwierige und tiefgreifende Angelegenheit, die allerdings nachhaltigen Erfolg verspricht, wenn denn Analytiker und Patient gut zusammen arbeiten. (Quelle: F.-J. Stickel, Die Auffindung des Ich)

Kurzfristige psychotherapeutische Verfahren oder Interventionen können in akuten Krisensituationen schnell Abhilfe schaffen, allerdings muss sichergestellt werden, dass danach eine längerfristige Begleitung erfolgt, damit die unguten Muster dauerhaft verändert werden können.

Ausführlicher habe ich dazu in meinem früheren Blog-Beitrag berichtet: https://eat-yur-life.de/psychotherapie-psychoanalyse-warum/.

Einige Selbsthilfetipps:

Wer nicht unter einer behandlungsbedürftigen Angststörung leidet, sondern einfach mit weniger Angst und damit selbstbewusster und -bestimmter durchs Leben gehen möchte, der kann selbst vieles tun bzw. ausprobieren.

Eine wunderbare Non-Profit-Seite ist unbedingt erwähnenswert. Dort stellen Sabine Ebersberger und Micheal Bohne ein von ihnen entwickeltes hilfreiches kleines, kostenloses “Do-it-yourself”-Kartenset zur Verfügung, “um uns allen etwas Hilfe, Sinn und Lichtblick zu geben…zur Stärkung unser aller Resilienz und psychischen Widerstandskraft…” in dieser besonderen Corona-Zeit. Diese besondere Zeit fordert unsere Psyche besonders heraus, denn “je länger Ausgangssperre, Quarantäne und nicht zu enden scheinende furchtbare Nachrichten anhalten, desto mehr steigen auch die psychischen Belastungen und unsere Psyche hat sich schon längst an der extrem ansteckenden “Emokokke” Angst infiziert. Während wir also alle zur Zeit unsere Hände schön sauber halten und desinfizieren, ist unsere Psyche den Angriffen meist schutzlos ausgeliefert…

Das Kartenset kann kostenlos heruntergeladen und ausgedruckt werden: https://eat-yur-life.de/psychotherapie-psychoanalyse-warum/

Es gibt auch Varianten für medizinisches Personal: https://www.innen-leben.org/karten-set-med/ und Angehörige sozialer Berufe: https://www.innen-leben.org/innen-leben-soz/   , die in besonderen Zeiten stark herausgefordert sind.

Außerdem bietet die Seite ebenfalls kostenlos drei Poster zum Ausdrucken mit Anleitungen und 5 kleine You-Tube-Videos von Michael Bohne für die PEP-Technik, die ebenfalls Unterstützung in beispiellosen Zeiten bieten sollen. PEP steht für Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie, dabei handelt es sich um eine spezielle, sehr differenziert von dem Psychiater Michael Bohne entwickelte mythosfreie Klopftechnik: PEP ist eine die Selbstwirksamkeit aktivierende Methode, die sich gut in die allgemeine Psychotherapie, ins Coaching, in die Stressmedizin, in die psychosomatische Grundversorgung und in die Traumatherapie integrieren lässt. PEP ist nicht nur eine ‘Klopftechnik’, sondern verbindet wirksame Interventionen aus den bifokal-multisensorischen Klopftechniken mit psychodynamischen, systemischen, hypnotherapeutischen, transgenerationalen und selbstbeziehungsorientierten Ansätzen…PEP ist keine Konfession, sondern eine Profession. (Quelle: https://www.dr-michael-bohne.de/https://www.innen-leben.org/klopfen-gegen-angst/

Vielen Menschen hilft eine regelmäßige Meditationspraxis dabei, Resilienz zu entwickeln, das heißt, die unterschiedlichen Stressfaktoren besser bewältigen zu können.

Die geistige Praxis lindert Angsterkrankungen und Depressionen…Langfristig hilft ihnen das, die schädlichen Denkmuster zu reduzieren… „Wahrnehmen und annehmen, diese Weisheit der Meditation kann therapeutisch wirken.“..Meditierende lernen ihre eigene Gefühls– und Gedankenwelt kennen und durchschauen auf diesem Weg Denk– und Verhaltensmuster. Wohl auch deshalb bewahrt eine Mischung aus Achtsamkeitsmeditation und Gruppenpsychotherapie, die so genannte Mindfulness-​Based Cognitive Therapy, kurz: MBCT, ehemals Depressive vor einem Rückfall. (Quelle: https://www.dasgehirn.info/handeln/meditation/wahrnehmen-und-annehmen-wie-meditieren-heilt)

Es gibt unzählige Meditationsangebote sowohl analog als auch digital. Angesichts der momentanen Situation ist das digitale Angebot eine sehr gute Möglichkeit, die verschiedenen Meditationsformen auszuprobieren. Mittlerweile gibt es Meditations-Apps, die viele Menschen nutzen. Hier gibt es einen sehr guten Vergleich 6 verschiedener Meditations-Appshttps://www.sueddeutsche.de/digital/smartphone-meditations-apps-und-das-handy-macht-om-1.3103312

Links zu unterschiedlichen Meditationsformen und -programmen:

Also, ausprobieren! Es gibt nichts zu verlieren, man lernt sich auf jeden Fall besser kennen und begibt sich auf eine “heilsame” Reise zu sich selbst!