Ernährungsphilosophien haben in unserer westlichen Welt fast religiöse Züge angenommen und manchmal umfassen diese neben der Ernährung auch andere Lebensbereiche.

Vegane Ernährung und Lebensweise scheint ein Reizthema zu sein und es gibt sowohl bei den Veganern als auch bei den Ablehnenden militante Vertreter. Ich möchte möglichst neutral einige Vor- und einige Nachteile dieser Ernährungsweise aufzeigen.

Vorteile

  • grundsätzlich: nur eine vollwertige rein pflanzliche (vegane) Ernährungsweise bringt tatsächliche gesundheitliche Vorteile, das bedeutet Verzicht auf raffinierten Industriezucker, Weißmehl usw. sollte Teil des Konzepts sein
  • keine Unterstützung der Massentierhaltung durch Verzicht auf tierische Produkte
  • keine gesundheitlichen Nachteile durch tierische Proteine (Studien deuten auf ursächliche Beteiligung an vielen Zivilisationskrankheiten hin, einschließlich Herz-/Kreislauferkrankungen, Krebs, Allergien, Diabetes usw.)
  • keine Aufnahme von Schadstoffen aus der Tierhaltung und -schlachtung (z.B. Medikamente, Stress- und Angsthormone, Hormone aus der Milchwirtschaft)
  • Beitrag zur Reduzierung des Welthungerproblems (ca. 90% der Sojaernte und 50% der weltweiten Getreideernte dienen als Viehfutter; um 1 kg Fleisch zu erzeugen werden 16 kg Getreide gebraucht)
  • Schutz des Regenwalds: seit 1980 wurden 40% des Regenwalds im Zusammenhang mit der Fleischproduktion abgeholzt. Der Regenwald ist ein immens wichtiger Klimaregulator für die ganze Erde.
  • Beitrag zum Klimaschutz: Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft schätzt, dass mit einer fleischreduzierten Kost gegenüber einer Mischkost bis zu 27%, und mit einer vegetarischen Kost weitere 15% (das heißt insgesamt bis zu 42%) der Treibhausgas-Emissionen eingespart werden könnten (BMEL im Klimaschutzbericht 2008)
  • Beitrag zum Umweltschutz: Luft- und Wasserverschmutzung, Medikamentenmissbrauch, Stickstoffausbringung über Gülle und Düngemittel, ansteigende Seuchen und Infektionen durch Pferchung, Feinstäube, rasante Abnahme der Biodiversität und vieles mehr würden sich enorm vermindern
  • zunehmender Wasserverknappung entgegentreten: für die Produktion von 1 kg Rindfleisch benötigt man ungefähr 15.500 Liter Wasser; 1 kg Weizen verbraucht in der Produktion 1.300 Liter Wasser, 1 kg Möhren 131 Liter

 

Nachteile

  • sehr gute Kenntnis der benötigten Nährstoffe unerlässlich, um Mangelerscheinungen zu verhindern
  • gesellschaftliche Akzeptanz mitunter schwierig
  • Restaurantbesuche und Essenseinladungen können schwieriger werden
  • Gewohnheiten müssen verändert werden, was vielen schwer fällt
  • Kochen muss neu erlernt werden, damit das Essen ohne tierische Produkte schmeckt und genussvoll sein kann
  • Konflikte innerhalb der Familie sind wahrscheinlich, wenn nicht alle gleichen Willens sind
  • Ausgewogenheit der Nahrung muss unbedingt gewährleistet sein
  • eingehende Beschäftigung mit der Materie notwendig, um diese Ausgewogenheit und damit ausreichende Nährstoffaufnahme zu gewährleisten
  • man muss dafür bereit sein, ausreichend Zeit, Kreativität, Energie zu investieren

“Wir haben keinerlei Einfluss darauf, was in unserem Körper passiert, wenn wir Tierprodukte essen. Wir können nicht kontrollieren, wie Tiere in Groß­betrieben gehalten werden und was sie im Schlachthof zu ertragen haben, wir können nicht die Medikamentengaben in der Tiermast reglementieren, aber wir können eines tun, das eine unglaubliche Rückwirkung hat: Wir können aus dem ganzen System aussteigen, indem wir unsere Ernährung ändern…Wenn wir uns vegan ernähren, sind zwei Aspekte von elementarer Bedeutung: Wir tun etwas (Pflanzen essen) und gleichzeitig tun wir etwas nicht (Tiere essen). Beides hat fundamentale Folgen. Nicht nur für uns persönlich, sondern für Menschen, Tiere und Umwelt…So können wir bei jedem Einkauf entscheiden, was wir in der Welt ändern, aber auch, was wir in unserem Körper nähren…Wir sind nicht ausgeliefert. Wir können mitbestimmen” (Alexandra Kuchenbaur, “VEGAN – Warum vegane Ernährung uns und die Welt heilt”). Mehr dazu: https://www.thieme.de/de/presse/68090.htm

Interessanter Vortrag zum Thema von Rüdiger Dahlke: https://www.youtube.com/watch?v=9uaDsSH_bNE

Hier ein paar Food-Blogs, die vielleicht neugierig machen: https://www.eat-this.org/https://www.sophiahoffmann.com/rezepte/https://justinekeptcalmandwentvegan.com/category/rezepte/https://stinaspiegelberg.com/ (besonderes Augenmerk auf regionale und saisonale Küche), http://averyveganlife.de/

Wer tiefer in die vegane Nahrung einsteigen möchte, dem sei Hildegard Biller ans Herz gelegt, eine beeindruckende Kennerin und Schöpferin der “Nahrung auf allen Ebenen”, die in ihrem SOAMI Yoga Retreat Center in Kärnten, Österreich nicht nur als überzeugende Gastgeberin fungiert, sondern auch ein ausführliches (Koch-)Buch zum Thema geschrieben hat: http://www.soami.at

Insgesamt muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden, ob und in welcher Form er oder sie seinen/ihren Beitrag für unseren Planeten leistet. Manch einem mag es helfen, sich zu vergegenwärtigen, dass es nicht darum geht, jemandem etwas weg zu nehmen oder zu verbieten, sondern dass wir alle an der einen oder anderen Stelle Verzicht üben müssen, um für die nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Erde zu hinterlassen. Für manche liegt der Schlüssel im Veganismus, für andere im maßvollen und bewussten Umgang mit Ressourcen auf allen Ebenen – auch mit tierischen Produkten. Einigkeit scheint unter den Experten zu herrschen, dass wir unseren Fleischkonsum deutlich und wirksam reduzieren müssen, um den immensen negativen Einfluss der Massentierhaltung auf unsere Umwelt zu verringern. Wer nachhaltig vegan leben möchte oder dies bereits tut ist nicht zwingend ein besserer Mensch, aber er richtet hinsichtlich seiner Ernährung weniger Schaden an!

Aber auch kleine Schritte bewirken etwas: kein Fleisch aus Massentierhaltung, sondern lieber seltener Fleisch und wenn, dann bestmöglicher Herkunft zu fairen Preisen essen, seltener fliegen, das Auto mal stehen lassen, selbst kochen und auf Fertigprodukte verzichten, Natur- und Bio-Kosmetik verwenden, Recycling betreiben, Plastik reduzieren, bewusst auf die Herkunft der gekauften Waren achten, möglichst regional und saisonal einkaufen usw.. Wir, unsere Folgegenerationen und unsere Umwelt profitieren mit Sicherheit von der bewussten Reduzierung des Konsums tierischer Produkte und dem bewussten Umgang mit unseren Ressourcen.