Was ist “Heilung” eigentlich?

Heilung bezeichnet den Prozess der Herstellung oder Wiederherstellung der körperlichen und seelischen Integrität aus einem Leiden oder einer Krankheit, oder die Überwindung einer Versehrtheit oder Verletzung durch Genesung. Während der Heilungsbegriff etymologisch eher durch ein Ganz-Werden bestimmt ist (siehe den Ausdruck “Heil”), bezeichnet genesen (von griechisch neomai) ursprünglich ein Davongekommensein aus einer Gefahr.” (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Heilung). Somit ist neben der rein körperlichen Komponente offenbar auch eine seelische bedeutsam. Sowohl Heilung als auch Genesung gelingen nur, wenn beide Komponenten “Behandlung” finden. Eine verabreichte “Medizin” wirkt unterstützend auf den Körper, kann Symptome lindern, “heilt” den Organismus aber nicht, das kann er letzten Endes nur selbst. Meditation ist etwas intrinsisches und kann die Selbstheilungskräfte auf ganz besonder Weise aktivieren.

Wie wirkt Meditation?

Eine kürzlich durchgeführte umfassende Metaanalyse zur Wirkung von Meditation bei Gesunden fand ausgeprägte positive Auswirkungen in nahezu allen untersuchten Aspekten. Unabhängig von der praktizierten Art der Meditation war die Wirkung auf Gefühlsaspekte (zum Beispiel Reduzierung von Angst und anderen negativen Emotionen) stärker als die auf kognitive Aspekte (zum Beispiel Aufmerksamkeit, Lernen, Gedächtnis). Am stärksten wirkte sich Meditation auf die Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen aus. Außerdem ergaben die Analysen, dass Meditation mehr ist als ein Entspannungs- oder ein Denktraining, und es fanden sich Hinweise darauf, dass unterschiedliche Meditationstechniken unterschiedliche Wirkungen haben…Die Ergebnisse aus Metaanalysen zu den Auswirkungen des Meditierens auf das Gehirn legen nahe, dass sich die Gehirnstrukturen erfahrener Meditierender in charakteristischer Weise von denen Nichtmeditierender unterscheiden und dass sich spezifische Arten von Meditation langfristig unterschiedlich auf die gehirnphysiologischen Vorgänge bei der Verarbeitung von Reizen auswirken. Die Ergebnisse aus der Hirnforschung passen insgesamt gut zu den Befunden aus den psychologischen Studien. Es gibt einige erfolgversprechende Versuche, Meditationstheorien aus hinduistischen oder buddhistischen Ansätzen zu extrahieren und auch zur Wirkung von Achtsamkeitsmeditation liegen einige westliche Erklärungsversuche vor. Ein zentraler Wirkmechanismus, der in vielen theoretischen Ansätzen postuliert wird, besteht darin, dass Meditieren dazu führt, eingefahrene emotionale und kognitive Reaktionstendenzen wieder zu “verlernen”. Zum Beispiel bemerken wir oft nur unseren Ärger, nicht jedoch die Auslösereize und Gedanken, die dazu geführt haben. Durch Meditieren können wir lernen, alle Bestandteile der Assoziationskette wahrzunehmen, was langfristig die Häufigkeit und auch die Stärke negativer Emotionen merklich reduzieren kann. Eine umfassende Theorie, die erklärt, wie Meditation wirkt, fehlt jedoch bislang noch. (https://www.forschung-und-lehre.de/forschung/meditation-und-wissenschaft-194/)

Was sagt die Hirnforschung?

Hier gibt es sehr interessante Erkenntnisansätze, die eine regelmäßige Meditationspraxis tatsächlich im Gehirn sichtbar und dadurch verwertbar machen können für Prävention und/oder Therapie.

In der Hirnforschung geht es aber vor allem darum, die neuronalen Mechanismen aufzuklären, über die Meditation sich auf Aufmerksamkeitsleistungen und die Fähigkeit zur Stressbewältigung auswirkt. In einer Reihe von Längsschnittstudien konnten Hölzel und ihre Kollegen zeigen, dass bereits nach acht Wochen Training mit täglich 45 Minuten Übungsdauer eine signifikante Verdichtung der grauen Substanz im Hippocampus zu beobachten ist – eine Struktur, die umgekehrt bei Dauerstress durch einen hohen Cortisolspiegel im Blut geschädigt werden kann. Die Abnahme der subjektiven Stressbelastung war zudem mit einer Abnahme der Dichte der grauen Substanz in der Amygdala verbunden, die unter anderem eine wichtige Rolle bei der Auslösung von Angstreaktionen spielt. Schließlich konnte die Forschungsgruppe in einer Studie mit Angstpatienten zeigen, wie durch das Meditationstraining die Konnektivität zwischen präfrontalem Cortex und Amygdala verändert wurde, die wiederum in direktem Zusammenhang mit der Schwere der Symptomatik steht. Diese Möglichkeit, das Nervensystem durch Training zu verändern, um so Verhaltensänderungen zu bewirken, ist für das Verständnis der Wirkungen von Meditation grundlegend. Im therapeutischen Kontext geht es zudem darum, Körperempfindungen, Emotionen und Gedanken beobachten zu lernen, um starre Reaktionsmuster zu erkennen. Und durch eine größere Freiheit für alternative Sicht– und Reaktionsweisen zu überwinden. Die damit verbundene geistige Präsenz und Flexibilität könnten sich sogar in einer verlangsamten Hirnalterung niederschlagen. Auf diese Möglichkeit weisen gleich mehrere Forschungsgruppen hin. Zudem wird ein achtsamer Lebensstil als wichtiges Element der Prävention von Alzheimer-​Demenz vorgeschlagen. Alles in allem scheint es ganz sinnvoll zu sein, den alten Hinweis von „Sitz nicht nur ‘rum, tu was!“, regelmäßig in „Tu nicht nur was, sitz mal rum“, zu verkehren. (Quelle: https://www.dasgehirn.info/handeln/meditation/warum-meditation)

Die Hirnforscherin Tania Singer, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, arbeitet seit Jahren daran, die günstigen Auswirkungen von Meditation auf das menschliche Gehirn nachzuweisen. Dabei bewegt sie sich in einem jungen Fachgebiet, der sozialen Neurowissenschaft.  Bedeutende Grundlagen für die Meditationsforschung schufen die Pionierin und Harvard-Psychologin Sara Lazar und der Psychologe Ulrich Ott vom renommierten Bender Institute of Neuroimaging (BION) der Justus-Liebig-Universität Gießen. (https://www.welt.de/wissenschaft/article123325891/Wie-Meditation-Gehirn-und-Geist-veraendert.html)

Was gilt es zu beachten?

Die Atmung gilt als Fokus der Meditation. “Eine gleichmäßige, vertiefte Atmung ist eine effektive Methode, innere Ruhe und Entspannung herbeizuführen“, urteilt der Gießener Psychologe und Meditations-Experte Ulrich Ott. Jeder Meditierende merkt allerdings, dass Gedanken und Gefühle die Konzentration immer wieder stören, „auch nach jahrelanger Übung“, weiß der Psychiatrieprofessor und Autor Daniel J. Siegel (Los Angeles). Wichtig sei darum, während der Meditation eine Form von „beobachtender Distanz“ zu seinen Gedanken, Emotionen und Wahrnehmungen einzunehmen: „Wenn wir nicht von Gedanken und Gefühlen übermannt werden, wird uns die eigene Innenwelt klarer, und wir werden zugleich aufnahmefähiger für die Innenwelt anderer.“ Das ist wichtig für das soziale Miteinander, urteilt auch Autor Daniel Goleman („EQ. Emotionale Intelligenz“). Selbstwahrnehmung und Empathie sind aus seiner Sicht wesentlich für ein erfolgreiches und geglücktes Leben: „Wenn wir nicht auf unsere eigene Erfahrungswelt eingestimmt sind, fällt es uns umso schwerer, uns bei anderen darauf einzustimmen“.

Wirkung auf das große Ganze?

„Aber“, so betont Ott, „die Effekte verschwinden wieder, wenn man mit dem Meditieren nicht weiter macht.“ Neueste Stoßrichtung ist in Gießen nun die Suche nach handfesten Belegen für erste Hinweise, dass Meditation das Altern des Gehirns verlangsamt. „Das könnte auch bei der Vorbeugung von demenziellen Abbauprozessen eine Rolle spielen.“

Tania Singer möchte nachweisen, dass bestimmte, für das Mitgefühl verantwortliche Hirnareale durch Meditation gezielt trainiert und vergrößert werden können. Im ReSource-Projekt meditieren 160 Probanden neun Monate lang mindestens sechs Tage pro Woche, teils unter Anleitung, teils allein. Nach dreimonatiger „Grundausbildung“ erlernt eine Gruppe spezielle Mitgefühls-Meditationen, eine andere ein Verfahren zur Gedankenbeobachtung. Außerdem müssen die Probanden regelmäßig in speziellen Computerspielen ihre Emotionen, auch Mitgefühl und Hilfsbereitschaft zeigen. Was Singer danach in den Auswertungen von Hirnscans und Stressparametern im Blut zu finden hofft? „Die Signatur des Mitgefühls“, lautet ihre Antwort. Dabei definiert sie Mitgefühl nicht als bloße Empathie, das Mitschwingen mit den Gefühlen anderer, sondern als grundlegendes Wohlwollen anderen gegenüber – auch außerhalb von Familie und Freundeskreis. Aus diesem Projekt wurden bisher über 30 wissenschaftliche Artikel publiziert[11]. Ergebnisse zeigen unter anderem, dass bestimmte Arten des mentalen Trainings sozialen Stress reduziert sowie strukturelle Plastizität im Gehirn bewirkt[12]. Religion möchten die Forscher dabei bewusst außen vor lassen. „Mitgefühl ermöglicht uns Kooperation, menschliches Miteinander und die Sorge für das Ganze“, sagte Singer in einem Interview. „Das ist überhaupt nicht spirituell oder religiös.“ Vielmehr sei es ein biologisch verankertes, zum Überleben wichtiges Motivationssystem – und keineswegs nur eine „nasse Nudel“.

Auch für Ulrich Ott, Autor des Bestsellers „Meditation für Skeptiker“, funktioniert Meditation grundsätzlich auch ohne Spiritualität. „Aber viele, die sie länger betreiben, dringen dann doch zu tieferen Fragen vor“, stellte er fest.

Singer zumindest glaubt an den Mehrwert durch Mitgefühl: Sie ist Mitherausgeberin eines multimediales eBooks, das verschiedenste Ansätze des Mitgefühl-Trainings auf wissenschaftliche Weise versammelt – unterstützt vom Künstler Olafur Eliasson und zum kostenlosen Download für jedermann: http://www.compassion-training.org/?page=download&lang=de

(Quelle: https://www.welt.de/wissenschaft/article123325891/Wie-Meditation-Gehirn-und-Geist-veraendert.html und https://de.wikipedia.org/wiki/Tania_Singer)

Somit könnte von einer regelmäßigen Meditationspraxis nicht nur der Meditierende, sondern auch dessen gesamte Umwelt profitieren. Ein Konzept, das bereits seit Jahrtausenden aus diesem Grund praktiziert wird und hoffentlich auch bei uns alltäglich wird!

Warum vorher informieren?

Nicht alles auf dem inzwischen unüberschaubaren Markt der unterschiedlichen Meditationstechniken ist allerdings auch hilfreich. Manche Techniken könnten psychische Prozesse in Gang setzen, die fachkundige Begleitung erforderten. Wenn zum Beispiel eine psychisch labile Person „in einer Krisenphase ihres Lebens Hilfe durch bewusstseinserweiternde Meditationsformen sucht, sind Schädigungen nicht auszuschließen“ (Quelle: https://ezw-berlin.de/downloads/Flyer_Kompakt-Information_Meditation.pdf). Darum ist es wichtig, sich vorab darüber zu informieren, welche Meditationsform zur augenblicklichen Lebenssituation passt.

Jede Form der Meditation führt zu einer Bewusstseinsveränderung, darin besteht ja gerade der Sinn. Doch es gibt Techniken, für die eine langjährige Praxis unerlässlich ist. Psychisch labile Menschen sollten nur unter professioneller Anleitung und Begleitung eine für sie passende Meditationsform erlernen und nur dann alleine meditieren, wenn sie darin erfahren sind.

Ein hervorragender Leitfaden, in dem sich fundiertes Hintergrundwissen mit praktischen Übungsanweisungen verbinden, stammt von dem Neurowissenschaftler Ulrich Ott: Meditation für Skeptiker, erhältlich als E-Book und als Druckversion bei gängigen Anbietern.

 

Lohnt sich das Meditieren?

Meditieren hebt unsere Stimmung, verbessert unseren Umgang mit Gefühlen, verstärkt unsere positiven Persönlichkeitseigenschaften, erhöht unsere Konzentrationsfähigkeit und macht unser Denken klarer. Das Ausmaß, in dem all das geschieht, ist nicht dramatisch, aber deutlich messbar. Meditieren kann allerdings auch mühsam sein: Aus einem vollgepackten Tagesablauf muss täglich Zeit für das Meditieren gefunden werden, das Sitzen kann unangenehm sein und unweigerlich werden Durststrecken auftreten. Trotzdem, und obwohl noch viele Fragen offen bleiben, legen die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse nahe, dass die Antwort auf die Frage, ob es sich lohnt, mit dem Meditieren anzufangen, nur “Ja” sein kann. Quelle: https://www.forschung-und-lehre.de/forschung/meditation-und-wissenschaft-194/

 

Tipp

Es gibt unzählige Meditationsangebote sowohl analog als auch digital. Angesichts der momentanen Situation ist das digitale Angebot eine sehr gute Möglichkeit, die verschiedenen Meditationsformen auszuprobieren. Mittlerweile gibt es Meditations-Apps, die viele Menschen nutzen. Hier gibt es einen sehr guten Vergleich 6 verschiedener Meditations-Appshttps://www.sueddeutsche.de/digital/smartphone-meditations-apps-und-das-handy-macht-om-1.3103312

https://eat-yur-life.de/heilung-auf-nicht-materiellem-weg-komplementaere-massnahmen/