Dies ist eine der beiden zentralen Fragen, welcher der Biologe und Hirnforscher Gerald Hüther jedem einzelnen empfiehlt, auf den Grund zu gehen. Die zweite Frage lautet: “Wozu will ich dieses Leben nutzen?”. Zwei uralte philosophische Menschheitsfragen, deren konsequente individuelle Ergründung und Beantwortung am Ende unsere Handlungen bestimmen wird.

Die Beschäftigung mit diesen Fragen ermöglicht es dem Einzelnen, festgefahrene, destruktive Muster zu erkennen und aus ihnen auszubrechen und dadurch sein ganzes Potenzial auszuschöpfen. Denn diesem inneren Bild, das sich durch die Beantwortung der beiden Fragen ergibt, möchte der Mensch gerne entsprechen; dann geht es ihm gut und wenn es ihm gut geht und er sich voll entfalten kann, wird das seiner gesamten Gesundheit und unserem wertvollen Planeten positiv nutzen. Hüthers 20-jährige Arbeit in der Hirnforschung hat diese banal erscheinende Erkenntnis bestätigt. Sie findet sich im übrigen in allen spirituellen Philosophien wieder, auch wenn sie dort nicht wissenschaftlich erforscht wurde. Es ist immer wieder faszinierend, zu entdecken, wie die Kreise sich schließen und die einzelnen Erkenntnisse und Erfahrungen sich ergänzen. Eigentlich müssen wir nur genau hinschauen und auf unsere tiefen Instinkte vertrauen. Die Körper-Geist-Seele-Verbindung ist offensichtlich und universell, doch unsere “moderne”, systematische Lebensweise lässt häufig weder Zeit noch Raum dafür, diese Verbindung zu pflegen. Bereits in der Schule werden die Kinder “gleichgeschaltet” und auf Leistung und Funktion programmiert. Da bleibt oft die Freude am Lernen (übrigens auch eine Körper-Geist-Seele-Verbindung) auf der Strecke und das kann sich im weiteren Leben fortsetzen. Unsere auf Konsum ausgerichtete Gesellschaft bietet keine Plattform für diese tiefgreifenden Fragen, denn diese wären Existenzfragen:

Gerald Hüther: Versuchen Sie es doch einfach mal. Stellen wir uns mal vor, wir fragen jemanden und der antwortet: „Ich bin auf der Welt, damit ich ein gutes Leben habe, damit es mir gut geht.“ Dann würde ich fragen, was ist denn das, was dich glücklich macht? „Wenn ich viel Geld habe.“ Und was machst du mit dem vielen Geld? „Damit kaufe ich mir eine Segeljacht.“ Und was hast du damit vor? „Dann fahr´ ich umher.“ Wie viele Jahre möchtest du gern umherfahren?

Dann fängt er an nachzudenken, denn er möchte nicht sein ganzes Leben auf der Segeljacht fahren – was ich damit zeigen will: In diesen Befragungen müssen Sie immer weiterfragen. Am Ende wird die Person erkennen, dass sie nur glücklich sein kann, indem sie auf eine Art und Weise lebt, dass andere Lebewesen auch leben können. Es geht gar nicht anders.” (Quelle: http://www.sonnenseite.com/de/tipps/hirnforscher-gerald-huether-wer-gluecklich-ist-der-kauft-nicht.html)

Wenn man also will, dass mehr Menschen nachhaltiger leben, muss man ihnen ein Gefühl für ihre eigene Würde vermitteln. Es geht nicht mehr nur um Nachhaltigkeit, sondern um das, was uns im Leben wichtig ist. Es muss eine öffentliche Diskussion darüber in Gang kommen, wie wichtig es ist, dass Menschen sich ihrer eigenen Würde (“…Würde nicht allein ein ethisch-philosophisch begründetes Menschenrecht ist, sondern ein neurobiologisch fundierter innerer Kompass, der uns in die Lage versetzt, uns in der Vielfalt der äußeren Anforderungen und Zwänge in der hochkomplexen Welt nicht zu verlieren. Umso wichtiger ist es, dass wir lernen, die Wahrnehmung der eigenen Würde zu stärken. Denn: Wer sich seiner Würde bewusst ist, ist nicht verführbar.” Gerald Hüther, “Würde”) bewusst werden. (Quelle: https://utopia.de/gerald-huether-hirnforscher-das-leben-besteht-nicht-darin-sich-irgendwelche-konsumbeduerfnisse-zu-erfuellen-51507/)